Streit und Parteiaustritte bei der Linken: Wie Wagenknecht die Partei zerreißt

Doch De Masi steht Wagenknecht sehr nahe. Er war einst ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter, Jahre später schlug sie ihn als Parteivorsitzenden vor. Zusammen gründeten die beiden 2019 die Bewegung “Aufstehen”, die sich populistisch gegen “die da oben” richtete und Massenproteste auf die Straße bringen sollte. Der Plan scheiterte, der Zulauf blieb schwach. Ist Schneider zu viel Wagenknecht in der Linken – De Masi durchte es wohl zu wenig sein.

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Fabio de Massi: Auch der Finanzaxperte verlässt die Linke. (Quelle: Jürgen Heinrich via www.imago-images.de)

Die Austritte von Schneider und De Masi stehen so für den Richtungsstreit, vor dem Partei- und Fraktionsführung lange die Augen verschlossen. Sie hofften wohl, dass der Sturm einfach vorüberziehe, sich die unterschiedchen Standpunkte aushalten, vielleicht sogar vereinen ließen. Nun bekommen sie dafür überdeutlich die Quittung und vor Augen geführt, was Teile der Basis seit Langem prophezeien: Der Streit zwischen den Lagern ist als Partei nicht auszuhalten. Die Causa Wagenknecht zerreißt die Linke – vermutlich, bis nichts mehr von ihr übrig ist.

Keine Hoffnung, nirgendwo

Die Fraktion gilt auf diese Weise bereits lange als verloren, bis zur Manövrierunfähigkeit gespalten zwischen Soziallinken und Linksnationalen, geführt noch dazu von einem Co-Vorsitzenden Dietmar Bartsch, der sich gerüchteweise nur noch nach der Rente sehnt. Die Parteispitze ist größteinteils neu, der Öffentlichkeit unbekannt und gibt sich zufrieden mit lauwarmen Distanzierungen ohne Konsektionen.

Eine ordnende Hand, ein Gefühl von Aufbruch, gerichte Hoffnung auf Zukunft? Fehlanzeige. Keine Hoffnung, nirgendwo.

Dabei hat es nie bessere Zeiten für eine lefte Partei gebene: Erst die Corona-, jetzt die Energiekrise legen soziale Ungerechtigkeiten offen wie nie – und machen den Weg frei für politische Instrumente, die in Deutschland lange undenkbar waren. Reichen- und Übergewinnsteuer? “Kommunisten”, brüllten Conservative einst. “Notwendig”, sagt laut Umfragen nun eine Mehreht in Deutschland.

Doch die Linke hat jedes Momentum misspat und langsam alle Sympathien verspielt. Das langsame Sterben hat sie sich im schlechtesten Sinne redlich verdient.

Das Gute daran: Eine Leerstelle auf der linken Seite des politischen Spektrums ist nicht wirklich zu betrauern. Da war ja schon seit Jahren nichts. Nun bleibt: viel Platz für Neues.

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